Wie alles begann – die Geschichte der Viktoria

Die sogenannten „goldenen zwanziger Jahre“ waren für die Menschen in Deutschland nicht so golden, wie sie genannt wurden. Arbeitslosigkeit, Gewerkschaftskämpfe, dauernde politische Machtwechsel, Inflation und gesellschaftlicher Umbruch beherrschten das Tagesgeschehen. Trotzdem fanden sich Frauen und Männer, die in ihrer knappen Freizeit Sport trieben.

In unserer Gemeinde war es die zur damaligen Zeit immer populärer werdende Sportart Fußball. Gespielt wurde auf Wiesen oder abgemähten Weiden. Die Mannschaften wurden aus den beiden Ortsteilen Ober- und Unterbirten gebildet. Ab 1923 versuchte die KPD (kommunistische Partei Deutschlands) Sportvereine zu gründen, um junge Menschen als Parteimitglieder zu gewinnen. Die katholische Kirche erkannte diese Absicht sehr schnell und gründete ihrerseits ebenfalls Sportvereine: die DJK (Deutsche Jugendkraft). Unter dieser Bezeichnung wurde 1925 in Birten der erste Fußballverein gegründet: DJK Birten.

Erster Vorsitzender war Willi Engelskirchen, der von Stefan Ingenfeld, Josef van Vorst, Willi Baumann und Johann Tekath unterstützt wurde. Der Verein konnte nur mit den Mitgliedsbeiträgen wirtschaften. Spenden oder Zuschüsse gab es nicht. Somit mussten die Spieler selbst für Trikots und Fußballschuhe sorgen und mussten diese aus eigener Tasche bezahlen.

Zuerst wurden Freundschaftsspiele mit befreundeten oder Nachbarvereinen ausgetragen. Nachdem ein Dachverband gegründet worden war, wurden Meisterschaftsspiele mit großem Erfolg ausgetragen. Sie kamen nicht von ungefähr, sondern wurden durch eifriges trainieren erworben. Als Trainer fungierte Paul Oellers, ein junger, fußballbegeisterter Lehrer, der in Birten eine Anstellung gefunden hatte. Seine sportliche Arbeit fand im Kreis große Anerkennung.

Der Fußballplatz befand sich zu dieser Zeit zwischen der B57 und der Hartingstraße, gegenüber der Gaststätte van Vorst (Hof von Holland). Gespielt wurde oft vor einer Zahl von 200 Zuschauern, für uns heute eine fast unvorstellbare Zahl. Zur damaligen Zeit war es die einzige Abwechslung im Alltagsleben.

Stefan Ingenfeld und Johann Tekath waren beide Gründungsmitglieder unseres Vereins und im Vorstand tätig. Johann Tekath übernahm 1930 von ersterem den Vereinsvorsitz. Im gleichen Jahr wurde mit dem Neubau eines Platzes begonnen, der vom Verband gefordert wurde, weil der alte den Vorschriften nicht mehr genügte. Grund und Boden wurden vom Vereinswirt Engelbert Peuten zur Verfügung gestellt.

Schon damals galt der Leitsatz: „Selbst ist der Mann.“ In Eigenarbeit wurde innerhalb von zwei Jahren eine vorbildliche Anlage geschaffen, die ihren Dienst bis 1968 versah. Bedingt durch die politischen Verhältnisse, war der Verein gezwungen seinen Namen in SV Viktoria Birten zu ändern. Den sportlichen Erfolg tat dies keinen Abbruch. In den Spielen der Nordgruppe oder später im Kreisgebiet, Birtener Fußballer waren gefürchtete Gegner.

Die allgemeine Wehrpflicht und der Beginn des 2. Weltkrieges bedeutete für Vereine, wie der unsere einen nicht wettzumachenden Aderlass an Spielern. Vereinsfusionen fanden statt; so spielten auf einmal Veener und Birtener in einer Mannschaft, ehe zu Kriegsende der Spielbetrieb ganz eingestellt werden musste. Im Sommer 1945 fand die erste Versammlung nach dem Kriegsende statt. Als 1. Vorsitzender wurde Josef Schiffer gewählt, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde. Gegner waren hier stationierte Engländer, Jugoslawen und Amerikaner. Im neu gegründeten Kreis Moers spielte die Birtener Mannschaft auf Grund der vielen ausgetragenen Freundschaftsspiele von Anfang an eine führende Rolle, die sie bis zum Ende der 50er Jahre inne hatte. Zu diesem Zeitpunkt mussten die meisten Spieler alters- oder berufsbedingt ihre sportliche Laufbahn beenden. Birten fiel fußballerisch in das berühmte Wellental und konnte an vergangene Tage nicht mehr anknüpfen.

Aufschwung nahm aber die Jugendarbeit in Verein. Dadurch genügte der Sportplatz nicht mehr zeitgemäßen Ansprüchen. Die ehemalige Gemeinde Birten mit dem Amt Alpen-Veen ließen 1968 einen modernen Ascheplatz errichten mit Laufbahn, Sprunganlagen und Begrünung. Zwei Jahre später erfolgte der Neubau eines Umkleidehauses mit sanitären Anlagen, der überwiegend in Eigenleistung erstellt wurde. Damit nicht genug. 1973 wurde ebenfalls in Eigenleistung eine behelfsmäßige Beleuchtungsanlage für Trainingszwecke errichtet, die 1976 fachmännisch auf den heutigen Stand gebracht wurde.

Der Zahn der Zeit nagt bekanntlich an vielen Dingen, so auch an unseren Kabinen mit Dusch- und Toilettenanlagen. Die Alte-Herren-Abteilung krempelte die Ärmel hoch und brachte alle Räume mit Vertäfelungs-, Anstreich- und Verfliesungsarbeiten 1996 auf Hochglanz. Einmal in Schwung, wurde nach entsprechender städtischer Genehmigung 1997 ein Überdach errichtet, und der Vorplatz der Umkleidehauses gepflastert. Im selben Jahr wurde damit begonnen, auf der Platzanlage Spielgeräte zu installieren, um kleineren Zuschauern eine Kurzweil zu bieten. Der Einbau einer Gasheizung folgte im Jahre 1998. Im Sommer 2008 wurde diese Heizungsanlage erneuert, da die Warmwasserkapazität nicht mehr ausreichte. In diesem Zuge wurden in den kommenden 2 Jahren die gesamten Umkleideräume saniert. Was lange währt wird doch noch gut. Viele Jahre lang wurde über die Notwendigkeit einer Berieselungsanlage für den Ascheplatz diskutiert. Diese wurde ebenfalls im Sommer 2008 errichtet und in Betrieb genommen.

Viel Eigenengagement ist auch heute noch gefragt. Und so wächst die kleine, aber feine Anlage heute danke vieler Hände und unermüdlichem Einsatz stetig weiter und kann so auch den modernen Anforderungen der Gebäudetechnik standhalten.

Im Jahr 2012 konnte nach einjähriger Bauzeit der neue Naturrasenplatz eingeweiht werden. Der alte Ascheplatz war nun Geschichte. Kurz zuvor wurde auch das Vereinsheim, so wie es heute aussieht, errichtet.

Einen historischen Leckerbissen stellen die Bilder des Spiels der Viktoria gegen die Traditionsmannschaft „Uwe Seeler“ 1975 dar. Das Spiel fand vor ca. 3.000 (!) Zuschauern statt. Nie zuvor und nachher waren jemals so viele Zuschauer gleichzeitig auf dem Platz.

In der Traditionself spielten Helmut Rahn (Weltmeister 1954, Teilnehmer WM 1958), Herbert Erhardt (Weltmeister 1954, Teilnehmer WM 1958, 1962), Helmut Haller (Vizeweltmeister 1966, Teilnehmer WM 1962, 1970), Max Lorenz (Vizeweltmeister 1966, Teilnehmer WM 1970), Bernd Patzke (Teilnehmer WM 1970), Gerhard Elfert (Bundesliga Hannover 96, Bor. M.Gladbach, Eintr. Braunschweig), Heinz Steinmann (Bundesliga 1.FC Saarbrücken, Werder Bremen), Helmut Schimeczek (Bundesliga Werder Bremen), Franz Josef Pauli (Bundesliga Hannover 96), Kirchner, Treimetten, Greiner